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Mit Nachtlinsen Sehfehler im Schlaf korrigieren

Kontaktlinsen, die nur während der Nacht getragen werden, dienen der Korrektur von Fehlsichtigkeit, weil sie zur Verformung der Hornhaut beitragen. Ihr Einsatz erfolgt ausschließlich bei Kurzsichtigkeit. Für Jedermann sind die Nachtlinsen trotzdem nicht geeignet.

Kurzsichtige Brillen- oder Linsenträger haben die Möglichkeit, abends vor dem Zubettgehen zwei harte Kontaktlinsen einzusetzen. Dann schließen sie die Augen und schlafen und am nächsten Morgen können sie ohne Brille oder Linsen vollkommen klar sehen. Klingt wie ein Märchen, ist aber tatsächlich möglich. Unter dem Begriff Orthokeratologie ist diese Methode in Japan und in den USA schon seit knapp 20 Jahren bekannt. Bei uns in Deutschland gibt es die sogenannten Nachtlinsen zur Korrektur der Augen etwa seit 2005. Allerdings haben sie bei den meisten Brillen- und Linsenträgern keinen hohen Bekanntheitsgrad.

Die Orthokeratologie, bei der die Form der Hornhaut verändert wird, funktioniert wie folgt

Bei Kurzsichtige haben einen zu langen Augapfel, sodass die Bündelung einfallender Lichtstrahlen bereits vor der Netzhaut erfolgt. Die harten aber in der Form stabilen Nachtlinsen üben während des Schlafs einen Druck auf die Hornhaut aus. Dabei verformen sie diese mit dem Ergebnis, dass am nächsten Tag ein klarer Durchblick besteht.
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Kurzsichtigkeit bis minus vier Dioptrien ist korrigierbar

Die korrigierte Form der Hornhaut bleibt tagsüber erhalten. Es ist ein mechanischer Prozess, bei dem die Verlegung des Brennpunktes weiter nach hinten erfolgt. Am Tag erfolgt die Bündelung der Lichtstrahlen auf der Netzhaut und Betroffene können wieder scharf sehen.

Das relativ unbekannte Verfahren funktioniert nur bei kurzsichtigen Menschen. Weitsichtige haben eine zu flache Hornhaut. Bei ihnen müsste durch Hochziehen der Hornhaut die Brechkraft erhöht werden, das ist aber mechanisch nicht realisierbar.

Auch bei Kurzsichtigen hat die Wirkung von Nachtlinsen Grenzen. Bei minus vier Dioptrien ist Schluss. Dabei darf die Hornhautverkrümmung maximal bei 1,5 liegen. Ist die Verkrümmung der Hornhaut stärker als 1,5, sind die Chancen, dass die Nachtlinsen wirken, relativ gering. In Einzelfällen konnten auch schon gute Ergebnisse bei Patienten erzielt werden, die bis zu minus sechs Dioptrien haben. Ein anderer Aspekt, der Für oder Wider Nachtlinsen spricht, ist das Profil der Hornhaut und deren Festigkeit.

Wie die Anpassung der Linsen erfolgt

Damit die Kontaktlinsen in der Nacht auch Wirkung wirken, sind sie immer individuelle anzupassen. Das macht entweder ein Augenarzt oder ein erfahrener Augenoptiker, der sich darauf spezialisiert hat. Zuerst erfolgt ein Sehtest, bei dem das Auge gescannt wird. Währenddessen erfolgt die Vermessung mit einem sogenannten Videokeratografen, mit dem Ziel, ein Abbild der Beschaffenheit der Oberfläche der Hornhaut zu erstellen. Nach den gemessenen Werten erfolgt die Herstellung der Linsen, die es nicht “von der Stange” gibt.

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Zu Beginn sind die Nachtlinsen aufgrund ihrer Härte etwas gewöhnungsbedürftig. Der Vorteil liegt allerdings darin, dass die Augen nachts geschlossen sind und die Gewöhnung somit leichter fällt. Erfahrungen zeigen, dass selbst Menschen, die mit Kontaktlinsen am Tage nicht zurechtkommen, sich in kurzer Zeit an die Nachtlinsen gewöhnen. Bereits nach der ersten Nacht kann am Folgetag besser gesehen werden. Zwei Wochen dauert es, bis die Fehlsichtigkeit vollständig korrigiert ist. Die Mehrzahl der Nutzer kann bei Nutzung der Nachtlinsen am Tag so gut wie mit einer Brille sehen.

www.netdoktor.at/gesundheit/auge/kontaktlinsen-316195

Keine Beschädigung der Hornhaut durch Nachtlinsennutzung

Ärzte streben bei Anwendung der Nachtlinsen eine hundertprozentige Verbesserung der Situation an. Viele Nutzer sind jedoch auch zufrieden, wenn es weniger als 100 Prozent sind. Die Nachtlinsen sind in der Anfangsphase mindestens sechs Stunden pro Nacht zu tragen. Nach einer gewissen Zeit der Nutzung reicht es, die Nachtlinsen jede zweite Nacht zu nutzen.

Kritiker bemängeln, dass bei Nutzung der Nachtlinsen die Versorgung mit Sauerstoff nicht gewährleistet ist. Dem ist entgegenzusetzen, dass die Materialien sich durch eine ständige Weiterentwicklung nicht nur komfortabler tragen, sondern auch viel schonender für die Hornhaut und durchlässiger geworden sind. Darüber hinaus läuft die Tränenproduktion während des Schlafs auf einem sehr niedrigen Niveau.

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Vorteil und Kosten der Therapie mit Nachtlinsen

Da es sich hier anders als bei einer Laserbehandlung um einen reversiblen Prozess handelt, ist das Ergebnis jederzeit veränderbar. Auf der Hornhaut entstehen keine Narben. Verzichtet man auf das Tragen der Nachtlinsen, stellt sich nach zwei Wochen der alte Zustand wieder ein.

Allerdings sind die Kosten nicht gerade gering. Die Nachtlinsen selbst kosten etwa 500 Euro. Die Anpassung bis zu 200 Euro. Einmal im Quartal ist eine Kontrolle notwendig, die bis zu 70 Euro kosten kann. In der Summe belaufen sich die Kosten im Jahr auf etwa 1.000 Euro. Nach einem Jahr muss ein Linsentausch erfolgen.

Wer Nachtlinsen benutzt, muss auf ein hygienisches Umfeld achten. Eiweiße und Fette, die sich auf dem Tränenfilm befinden, sind der ideale Nährboden für Bakterien. Bei mangelnder Hygiene kann es zu Infektionen der Hornhaut kommen, in deren Folge sich Geschwüre bilden können. Die Nachtlinsen bieten sich insbesondere für kurzsichtige Menschen an, die aufgrund ihres Berufes tagsüber keine Kontaktlinsen tragen können.